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Etwas im Körper zum Schwingen bringen

Klangschalentherapie bietet das Seniorenheim Anlautertal Titting seit kurzem seinen Bewohnern an. Gerade bei bettlägerigen Menschen, die nur noch wenig Reaktion zeigen können, entfaltet diese Art der Zuwendung besondere Wirkung. 

Die goldene Klangschale steht auf einer dicken Unterlage auf dem Rücken eines Bewohners. Sobald der Filzklöppel die Klangschale trifft, breitet sich ein beruhigender tiefer Ton aus. Brigitte Hiemer, die die Klangschale angeschlagen hat, weiß: die Schwingungen der Schale vibrieren jetzt durch den Körper des Bewohners und erzeugen ein wohliges Gefühl der Harmonie.

Marianne Horlacher und Brigitte Hiemer (v.li.) mit ihren Klangschalen.

„Klangschalentherapie bringt etwas im Menschen auf sehr positive Art zum Schwingen“, sagt sie. Die 61-Jährige ist seit 11 Jahren Betreuungskraft im Seniorenheim Anlautertal. Nach langen Jahren in der Gastronomie hat sie diesen beruflichen Weg eingeschlagen und ist noch immer begeistert. „So viel Herzlichkeit habe ich niemals zuvor erlebt“, sagt sie. Das Team und die Bewohner seien wie eine zweite Familie geworden. Ihre Kollegin, Marianne Horlacher, die nach Erziehungszeiten vor 5 Jahren im Seniorenheim einen beruflichen Neustart wagte, sieht das genauso.

Beiden ist es deshalb wichtig, „ihre“ Bewohner bestmöglich zu betreuen. Seit Jahren arbeiten sie nach einem gut durchdachten Betreuungsplan mit vielen Bausteinen, die alle Fähigkeiten und Emotionen der Bewohner ansprechen. Das Programm reicht von Turnen über Backen, Singen und Zeitungslektüre bis zu Basteln, Gedächtnisübungen und Festen. Die Klangschalentherapie ist jetzt der krönende Baustein.

„Ich habe selbst einmal eine Klangschalenmassage erhalten und habe sie toll gefunden. Deshalb habe ich angeregt, dass wir uns in dem Thema fortbilden dürfen“, sagt Brigitte Hiemer. Zwei halbe Tage bei einer ausgebildeten Klangschalentherapeutin genügten, um den Umgang mit den Klangschalen als Therapieinstrument zu erlernen. Dort übten sie praktisch unter Anleitung, wie man die Therapie aufbaut, welche unterschiedlichen Klangschalen es gibt, wo die Klangschalen aufgesetzt werden können und welche Wirkungen sie erzielen. „Selbst behandelt zu werden hat uns einen körperlichen Eindruck vermittelt, was sich gut anfühlt und was besonders wirkt“, betont Marianne Horlacher.

Inzwischen wenden beide die Klangschalentherapie schon einige Wochen bei den Bewohnern an. In der Gruppenarbeit ebenso wie bei der Einzelbetreuung der bettlägerigen Patienten. „Diese Menschen sprechen besonders auf die Therapie an. Normalerweise können sie nur noch mit Blicken kommunizieren. Sie können sich weder bewegen noch sprechen“, sagt Marianne Horlacher. „Aber die Klangschalentherapie entlockt ihnen wieder Laute. Manchmal sieht man einen besonderen Glanz in ihren Augen. Man hat das Gefühl, sie möchten ein besonderes Glücksgefühl ausdrücken“, ergänzt Brigitte Hiemer.

Die Einsatzgebiete der Klangschalen sind groß. Sie können je nach Aufbau der Anwendung beruhigen oder anregen. Brigitte Hiemer und Marianne Horlacher verwenden die Therapie auch bei ganz praktischen Problemen: zur Lösung von Verspannungen und Verstopfungen etwa. Beide haben erlebt, dass die Therapie gerade hier zu 100 Prozent erfolgreich ist. „Wir sind noch dabei Erfahrung zu sammeln“, sagen beide. „Aber wir freuen uns, dass wir mit diesem neuen Baustein in der Betreuung etwas Gutes für die Menschen tun können.“